am Krich 1940-1945

Vic Mollitor

Die Fanfare Medernach in den Kriegsjahren 1940-1945

10+28/1/1940: kleine Feier zum 10. Jubiläum (Anlage 1)

3/5./1940:  letzte Probe vor dem Kriege

5/5/1940: „Kiermesconcert“

10/5/1940:  Einmarsch der Deutschen in Luxemburg

 

23/10/1940: Auflösung. Überleitung und Eingliederung von Organisationen in Luxemburg.

Um die Beschlagnahmung der Instrumente zu umgehen, wollte die Medernacher Musikgesellschaft weiter Musik machen.

1/4/1941: Durch einen Beschluss vom Stillhaltekommissar für das Organisationswesen in Luxemburg wird die Musikgesellschaft Medernach wieder freigestellt. Der Verein soll der Gesellschaft für deutsche Literatur und Kunst in Luxemburg angeschlossen werden und hat die ihr zugestellten Rahmensatzungen zu übernehmen.  Das Vermögen wird nach Abzug der vorgeschriebene Aufbauumlage und Verwaltungsgebühr von 24,60 Reichsmark wieder freigegeben.  (Anlage 2)

Dann kamen aber die Bedingungen am laufenden Band, zuerst vom Stillhaltekommissar, dann vom Landrat und vom Kreisleiter.

 

17/4/1941:  großer Fragebogen der Gesellschaft für Literatur und Kunst. Gleichzeitig „Anweisungen an alle Volksmusikvereine Luxemburgs“ (Anlage 3) wie z.B.:

-auf Fahnen, Plakaten, Schilder usw.  müssen alle Spuren fremdsprachiger Bezeichnungen und ehemaligen Landesfarben entfernt werden.

- französisch klingende Vereinsnamen sind durch deutsche zu ersetzen.

- alle Musikstücke mit französischen oder auch deutschfeindlichen und klassenkämpferischen Texten und Ursprungs sind sofort „gut verpackt“ an die Außenstelle des Reichspropagandaamtes in Luxemburg zu senden. Dasselbe gilt für alle Texte jüdischer Autoren, insbesondere für alle Texte von HEINE, RODENBERG, MENDELSSOHN usw.

- Die Vereinsführung muss das volle Vertrauen der politischen Führung besitzen.

- Die Vereinsgelder dürfen nur zur Anschaffung deutscher Instrumente verwendet werden. Alle anderen Ausgaben sind zu unterlassen und kein Eigentum darf ohne Genehmigung verkauft werden.

- Alle Veranstaltungen müssen dem zuständigen Kreispropagandaleiter gemeldet werden. Programmgestaltung usw. ist vorher mit dem zuständigen Kreisbeauftragten zu klären.

Am 13.5.1941 verstarb der Präsident Charles Regenwetter. Der Verein nahm in corpore am Begräbnis teil, die rot-weiß-blauen Fahne wurde, trotz aller Verbote, vorangetragen. Als Vizepräsident schritt Norbert Kahn voran.  Kahn weigerte sich darüber hinaus als Jude den gelben Stern zu tragen. Am 21.2.1942 wurde Norbert Kahn verhaftet. Er, wie so viele andere Medernacher Juden kam im KZ um.

29/5/1941: Der Verein erhält 10 Pflichtmusikstücke: Flieger sind Sieger, Bomben auf Engelland, Regimentsgruß, In alter Frische, Wir fahren gegen Engelland, Jagdgeschwader Richthofen, Soldaten-Kameraden, Deutschlands Ruhm, Singende Soldaten.  (Anlage 4)

31/5/1941: Das Tragen der landesüblichen Mützen ist verboten. Stattdessen sind Mützen nach deutschem Muster zu beschaffen.

6/6/1941und 14/6/1941: Aufforderung dem Kreisring für nationalsozialistische Volksaufklärung beizutreten. (Anlage 5)

4/7/1941: Der Ortsgruppenleiter der Ortsgruppe Diekirch fordert den Ortsgruppenleiter von Medernach auf, persönlich mit den Vereinsführern zu sprechen zwecks Beitrittserklärung zum Kreisring: “ Solltest Du trotz aller Mühe, nichts erreichen, so bitte ich Dich mir diese Vereinsführer bzw. Vorstandsmitglieder namhaft zu machen und mir bei nächster Gelegenheit mündlich Bericht über Deine Besprechung zu erteilen. Ich werde dann selbst das Weitere besorgen“ (Anlage 6+7)

7/7/1941: Zusage der“ Fanfare von Medernach“ zum Beitritt zum Kreisring für nationalsozialistische Volksaufklärung mit der Bemerkung, dass

  • Durch Verfügung des Stillhaltekommissars die Gesellschaft stillgelegt war.
  • Musikproben seit Mai 1940 nicht stattfanden und da wir nur Winterproben haben (Die aktiven Mitglieder sind meistenteils Bauernjungen, die im Sommer keine Zeit zum Proben haben) kann für dieses Jahr nicht mit öffentlichen Auftritten gerechnet werden.
  • Der Musiksaal sei durch die einquartierten Militärtruppen demoliert: Bänke, Pulte usw. sind nicht mehr vorhanden. (Anlage 8)

 

8/7/1941: Aufforderung vom Landrat des Kreises Diekirch an die freigegebenen Vereine zur Eintragung in das Vereinsregister des zuständigen Landrats. (Anlage 9)

29/7/1941:   10 Punkte des Reichspropagandaamtes die das Fass zum Überlaufen brachte (so der Sekretär kurz nach dem Kriege):

„Heil Hitler“ Gruß, Jedes Vereinsmitglied muss eine Hakenkreuzfahne haben, Führerbild im Vereinslokal, jedes Mitglied muss Mitglied der Volksdeutschen Bewegung sein, jede Familie der Vereinsmitglieder muss das Buch von Adolf Hitler „Mein Kampf“ besitzen, die Kinder der Vereinsmitglieder müssen der Hitlerjugend angehören, an jedem Vereinsabend, bei dem mehr als die Hälfte der Mitglieder anwesend sind, muss 10 Minuten lang aus Adolf Hitlers „Mein Kampf“ vorgelesen werden usw.  (Anlage 10)

1/8/1941: Erinnerungsschreiben der Verfügung vom 8/7/1941. Gleichzeitig werden die Rahmensatzungen für die Gesellschaft für deutsche Literatur und Kunst (Aufforderung vom 1/4/1941) verlangt. Ferner ist der neue Name der Gesellschaft anzugeben. (Anlage 11)

 22/8/1941: weitere Aufforderung zur Ablieferung der „Mützen“ unter dem Titel „Mützenbeschaffungsaktion“. (Anlage 12)

22/8/1941: Dritte Aufforderung vom Landrat des Kreises Diekirch sich binnen drei Tage in das Vereinsregister einzutragen. (Anlage13)

26/8/1941: Der Verein bittet den Landrat um eine weitere Frist zur Einsendung der verlangten Angaben, weil nach dem Tode des Präsidenten noch kein Nachfolger bestimmt ist. (Anlage 14)

8/9/1941:  Aufforderung zum Besuch einer Tagung des Kreisrings für nationalsozialistische Volksaufklärung in Ettelbrück. Dort soll dem „Vereinsführer und seinen Vertrauensmännern“ erklärt werden, wie in nächster Zeit die Führung aller zugelassenen Vereine in nationalsozialistischer Richtung zu erfolgen hat. (Anlage 15)

20/9/1941: eine weitere, letztendlich die vierte (!) Aufforderung des Landrates sich bis spätestens zum 30. September   in das Vereinsregister einzutragen. (Anlage16)

15/10/1941: Aufgrund einer Anfrage des Bürgermeisters  der Gemeinde Medernach teilt der Verein der Gemeinde mit, dass die Ernennung eines neuen Präsidenten noch nicht erfolgen konnte. (Anlage 17)

16/3/1942: Der Landrat ersucht den Bürgermeister der Gemeinde Medernach   die Musikgesellschaft letztmalig aufzufordern sich in das Vereinsregister einzutragen (Anlage 18)

15/4/1942: Der Stillhaltekommissar für das Organisationswesen in Luxemburg verfügt, dass die Musikgesellschaft Medernach mit sofortiger Wirkung gelöscht ist, das Vermögen eingezogen und das Inventar der Gesellschaft für Deutsche Literatur und Kunst in Luxemburg übergeben wird. (Anlage 19)

Es wurde aber vergessen die Instrumente zu beschlagnahmen.

Nachdem die Deutschen in Diekirch, dank des heldenhaften Widerstandes der Musikanten, mit der Gründung eines S.A. Musikzuges scheiterten, versuchten sie dieses anscheinend auch in Medernach. Hierfür befinden sich aber leider keine Dokumente in den Vereinsarchiven. Das Deliberationsregister des Vereins der Kriegsjahre überlebten diese nicht.  Leider bleibt dieses Kapitel der Geschichte der Fanfare Medernach wahrscheinlich für immer im Dunklen.

Die einzigen Informationen zum Versuch in Medernach ein S.A. Musikzug zu gründen stammt aus der ersten Generalversammlung nach dem Kriege, am 21. April 1945. Hier erinnerte Sekretär Huss an diese Zeit (Anlage 20):

Nach einer großen S.A.  Werbeversammlung vom 29 Oktober 1942, die durch Druck und Drohungen der Lokalpolizei zustande kam berichtete der Ortsgruppenleiter an die Kreisleitung: „Mit genannter Aktion war auch die Neugründung der Musikgesellschaft von Medernach als S.A. Musikzug vorgenommen.“

Eine (oder einige) Probe (n)  fanden unter S.A. Höppner als Dirigent statt.  Als Anekdote weiß Sekretär Huss  kurz nach dem Kriege zu erzählen, dass dieser Höppner einmal  ein Stück aus dem Marschheft auf seiner Klarinette spielte, und der  Refrain „Lëtzebuerg de Lëtzebuerger“ lautstark von den wenigen Anwesenden mitgesungen wurde.

Die Proben wurden sabotiert. Es wurden sogar 4 Mitglieder (Huss Jean, Knaff Hein, Tossing J-B, Schenten J-P), bei Wasser und Brot, 48 Stunden in Ettelbrück eingesperrt. Durch die Resistenz der Mitglieder kam es trotz Drohungen mit Umsiedlung und KZ nicht zu einem S.A. Musikzug.

 

Nach der Befreiung, am 1. Oktober beteiligt sich die Fanfare an einer Feier von der „UNIOUN“ zu Medernach, morgens an einer Messe für alle Kriegsgefallenen und nachmittags an einem Umzug durch das Dorf.

Durch die Rundstedt-Offensive sind aber dann ein Dutzend Instrumente verloren gegangen, der Probesaal wurde ausgeplündert und die Vereinsmöbel zerschlagen.

Die 1.  Generalversammlung nach dem Kriege fand wie gesagt am 21.4.1945 statt. Am 14.Juli bittet der Verein in einem Rundschreiben, die Einwohnerschaft der Gemeinde und die ehemaligen Ehrenmitglieder um finanzielle Hilfe, um so das Wirken der Musikgesellschaft fortführen zu können. (Anlage 21)

Ebenso wird am 14.9.1945 eine Bittschrift an die Gemeindeverwaltung übergeben. (Anlage 22)  

 

Vic. MOLLITOR